Sardinien, Capo Caccia: Höhlentauchgänge bis 30 m und Hummer im Norden
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Sardinien, Capo Caccia: Höhlentauchgänge bis 30 m und Hummer im Norden

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7. Juni 2026 3 Min. Lesezeit

Capo Caccia ist ein 200 m hoher Kalksteinfelsen im Nordwesten Sardiniens, der sich unter Wasser bis auf über 100 m erstreckt. Die Wand ist von Dutzenden Höhlen durchzogen — manche verbunden mit Landgrotten, andere vollständig untergetaucht. Im Mittelmeer gibt es kaum eine Region, die Freizeit-Höhlentauchen so gut organisiert anbietet.

Capo Caccia überragt Alghero an der Nordwestküste Sardiniens. Über dem Wasser: senkrechte Kalkfelsen, 200 m hoch, mittelalterliche Wachtürme und die Grotta di Nettuno, erreichbar über eine in den Fels gehauene Treppe. Darunter: dieselbe Wand fällt weiter ab, durchbrochen von Meereshöhlen, Tunneln, Bögen und Grotten mit Luftkammern im Innern. Nirgendwo sonst im Mittelmeer konzentriert sich so viel Karstgeologie auf einem einzigen Kap.

Fünf Tauchplätze dominieren die Karte. Die Grotta di Nereo hat zwei Eingänge — bei 25 m und bei 32 m — mit 200 m befahrbarer Länge und gilt als größte Unterwasserhöhle des Mittelmeers. Die Grotta dei Cervi bietet Luftkammern mit Stalaktiten. Die Grotta della Madonnina ist eine kleinere Höhle mit ruhigem Charakter. Capo Galera ist eine Wand mit Roter Koralle. Punta Cristallo erlaubt einen sanften Drift mit Fischreichtum. Tiefen je nach Route 18–40 m.

Das biologische Highlight ist die Rote Koralle (*Corallium rubrum*). Kolonien in 35–50 m Tiefe haben Jahrhunderte kommerziellen Abbaus überstanden, weil ihre Tiefe und begrenzte Zugänglichkeit sie schützten. Mit Deep-Diver-Patent und Nitrox erreicht man bei 40 m lebende Korallenwände, kaum Strömung und Sichtweiten von 25–30 m. Für Unterwasserfotografie bietet das Mittelmeer selten etwas Vergleichbares.

Begleitende Fauna: Langusten (gewöhnliche und Bären-) in überraschenden Mengen, große Meeraal-Aale tief in den Höhlen, Muränen, ausgewachsene Zackenbarsche sowie saisonale Schwärme kleiner Ährenfische. Das Schutzgebiet verbietet Speerfischen, und die Wirkung auf die Bestandsdichte ist deutlich spürbar. Das Tauchen fühlt sich an wie Mittelmeer vor Jahrzehnten, bevor der Fischereidruck ähnliche Orte leerte.

Anreise: Flug nach Alghero-Fertilia — Ryanair verbindet es günstig mit mehreren europäischen Städten — Mietwagen und Unterkunft in Alghero oder einem der umliegenden Dörfer. Die Haupttauchbasen liegen im Hafen von Alghero oder in Porto Conte, näher an Capo Caccia. Geführte Tauchgänge kosten 40–55 €, ein Sechser-Paket rund 220 €. Gesprochen wird Italienisch und Englisch, in den touristischeren Zentren oft auch Deutsch oder Französisch. In Alghero wird noch ein katalanischer Dialekt gesprochen — ein historisches Erbe der aragonesischen Besiedlung.

Wassertemperatur: 14 °C im März, bis 25 °C im August. Die besten Monate sind Mai–Juni und September–Oktober. Juli und August bringen volle Boote und Preise, die rund 25 % höher liegen. Der Oktober ist besonders lohnend: 5-mm-Neopren reicht, und die Sichtweite beträgt oft 40 m. Im Winter ist Tauchen zwischen Windfenstern möglich, Tauchbasen arbeiten aber mit reduziertem Betrieb.

Der Schwachpunkt liegt auf der Hand: die Hochsaison im August. In der Grotta di Nereo können an Stoßtagen 30–40 Taucher gleichzeitig sein. Aufgewirbeltes Sediment trübt die Sicht, und die Enge wird spürbar. Die Lösung: beim Tauchcenter einen Ausfahrttermin früh um 07:30 oder spätnachmittags um 15:30 verlangen statt des üblichen Hauptzeitslottes. Professionelle Betreiber kennen das Problem und planen entsprechend.

Capo Caccia gehört zu den besten Mittelmeerzielen für Taucher, die Höhlen, Wände und Geologie schätzen. In Kombination mit Alghero — sardische Küche, lokale Weine, Strände — überzeugt die Reise auch Menschen, die nicht tauchen. Im September-Vergleich mit Malta und Kroatien gibt die Kombination aus Höhlen, Roter Koralle und Hummer den Ausschlag — diese drei Elemente zusammen bietet kein anderes Mittelmeerziel.