Die Cíes-Inseln sind der zugänglichste Tauchplatz in Galicia — zugänglich bedeutet hier aber nicht komfortabel. Das Wasser liegt zwischen 13 und 17 °C, die Sichtweite springt von einer Woche zur nächsten zwischen 4 und 20 m, und die Dichte des Gemeinen Kraken erreicht Werte, die im Mittelmeer längst Geschichte sind. Wer warme, klare Gewässer gewohnt ist, trifft hier auf andere Bedingungen.
Die Cíes sind drei Inseln — Norte, Faro und San Martiño — am Ausgang der Ria de Vigo, die 2002 zusammen mit Ons, Sálvora und Cortegada zum Maritim-Terrestrischen Nationalpark erklärt wurden. Im Sommer ist eine Genehmigung für den Zugang erforderlich; das Tauchen im Park reguliert die Xunta. Die Wassertemperatur schwankt zwischen 13 °C im Februar und 17 °C im September. Typische Sichtweite: 6–12 m, mit gelegentlichen Fenstern bis zu 20 m im Herbst.
Das Tauchen hier ist geprägt von der Fauna des nordöstlichen Atlantiks — fast das Gegenteil von dem, was man im Mittelmeer findet. Gemeine Kraken (*Octopus vulgaris*) überall; die größten Exemplare wiegen 5–6 kg. Seespinnen, Hummer und Langusten teilen die Granitwände mit Rotbarben, Wittlingen und Stachelmakrelen. Unterhalb von 30 m tauchen Steinbutten und monströs große Seeteufel auf. Für Unterwasserfotografen ist der Krake das Hauptmotiv: Im Schutzgebiet hält er stand und lässt sich auf kurze Distanz heranführen.
Sichtweite lässt sich hier am treffendsten mit 'kommt drauf an' beschreiben. Galicia hat große Gezeiten — 4–5 m Tidenhub —, starke Bodenströmungen und Süßwassereintrag aus Flüssen, der das Wasser unberechenbar trübt. Drei Tage atlantischer Sturm können die Sicht für eine Woche auf 3 m drücken. Fünf Tage trockener Ostwind und sie steigt auf 15–20 m. Die Faustregel: Herbst nach einer längeren Schönwetterperiode. Mai und Juni sind unbeständig. August schwankt je nach Gezeitenstand zwischen passabel und mittelmäßig. September und Oktober bieten die besten Aussichten.
Die bekanntesten Tauchplätze: O Castelo (zwischen den Inseln und der Küste), Cantil de los Viaos (Wandtauchgang im Süden der Cíes), A Pereira (Steilwand mit Höhlenabschnitten), Os Estramundis (gemischtes Faunagelände), Punta Vicos (Kraken-Habitat über Sand und Fels). Tiefen von 12 bis 35 m. Die wichtigsten Tauchbasen liegen in Vigo und Cangas do Morrazo, Schnellboottransfer in 30–45 Minuten.
Ausrüstung: mindestens ein 7-mm-Halbtrockenanzug, angenähte Kapuze, 5-mm-Handschuhe, dicke Stiefel. Mit Trockenanzug ist man im April und Mai deutlich entspannter unterwegs. Wer im August mit 5 mm neopren anreist, hat spätestens beim zweiten Tauchgang des Tages Kälteprobleme. In Galicia ist die Kälte der begrenzende Faktor für die Grundzeit — nicht der Luftvorrat und nicht die Dekompression.
Anreise: Der Flughafen Vigo bietet begrenzte europäische Verbindungen; oft ist es praktischer, nach Santiago oder Porto zu fliegen und 1,5–2 Stunden zu fahren. Unterkunft in Vigo, Bayona oder Cangas. Tauchbasen in Vigo wie Galisub und Vigo Diving berechnen 50–65 € pro geführtem Tauchgang mit Ausrüstung. Pakete mit 4–6 Tauchgängen sind erhältlich. Ausfahrten zu den Cíes werden nach den Gezeiten geplant. Im Winter laufen die Tauchzentren auf Sparflamme.
Wer aus Ägypten oder den Malediven kommt und klares Wasser mit bunten Riffen erwartet: Die Farbpalette hier ist grünbraun, nicht blau. Keine Korallen — stattdessen Anemonen und Schwämme. Die Fauna ist kryptisch, nicht spektakulär. Das Wasser bleibt selten kristallklar. Galicia ist für Taucher, die das echte Unterwasserspanien sehen wollen, keine Touristenprospekt-Version. Mit realistischen Erwartungen kommt man begeistert zurück; wer mediterrane Klarheit erhofft, kommt im doppelten Wortsinn frierend zurück.
Am Ende bedeutet Tauchen in Galicia, eine andere Art des Tauchens schätzen zu lernen. Der Moment, in dem ein 5 kg schwerer Gemeiner Krake einen aus einem Granitspalten heraus anstarrt, oder wenn man Atlantik-Nacktschnecken an einer 14 °C kalten Wand entdeckt — das hat nichts mit der spanischen Mittelmeerküste gemein. Physisch fordernd, visuell lohnend für die, die genau hinschauen. Nach mehreren Reisen bleibt es der einzige Ort in Spanien, an dem das Meer sich noch wirklich wild anfühlt.

