Ostsizilien, Catania: Vulkanlava unter Wasser und der Unterwasser-Ätna
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Ostsizilien, Catania: Vulkanlava unter Wasser und der Unterwasser-Ätna

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18. Juni 2026 3 Min. Lesezeit

Die Küste von Catania am Osthang des Ätna gehört zu den wenigen Mittelmeerregionen, wo junge Vulkanlava den Meeresgrund prägt. Jahrhundertelange Ausbrüche haben Basaltsäulen, Lavatunnel und römische Amphoren auf einzigartigem Vulkansubstrat hinterlassen. Eine geologische Alternative zu den Äolischen Inseln für Taucher mit wissenschaftlichem Interesse.

Catania ist die zweitgrößte Stadt Siziliens und liegt an der Ostküste der Insel im Schatten des Ätna — eines aktiven Vulkans mit 3.330 m Höhe. Ätna-Ausbrüche sind seit der Römerzeit dokumentiert; das letzte große Ereignis war 2021. Wenn Lava das Meer erreicht, wie beim Ausbruch von 1669, der die Stadt teilweise zerstörte, erstarrt sie zu schwarzen Basaltformationen, die im Mittelmeer ihresgleichen suchen.

Die Unterwassergeologie zwischen Acireale und Catania erstreckt sich über rund 30 km Vulkangrund. Unter Wasser nimmt das Erbe des Ätna vier deutlich erkennbare Formen an: Basaltsäulen, die durch rasches Abkühlen der Lava entstanden sind, Lavatunnel, die sich bildeten, als der Fluss unter einer erstarrten Kruste weiterströmte, senkrechte Klippen mit tiefen Rissen und schwarzer Sand aus jahrhundertelanger Basalterosion. Das Bild erinnert eher an Hawaii oder Lanzarote als an einen typischen Mittelmeer-Tauchplatz.

Die wichtigsten Tauchplätze: Acitrezza vor dem Dorf bietet Basaltwände von 12 bis 25 m; Capo Mulini hat Höhlen und Lavatunnel zwischen 18 und 30 m; das Wrack von Riposto ist ein Handelsschiff aus dem 19. Jahrhundert auf 35 m; Calatabiano belohnt geduldige Taucher mit reicher Fauna; und die Faraglioni dei Ciclopi — die legendären Felsen aus der Odyssee — ragen dramatisch aus dem Meeresgrund. Tiefen 12–35 m, Wassertemperatur 16–26 °C je nach Jahreszeit, Sicht an ruhigen Tagen 20–35 m.

Die römische Archäologie fügt eine zweite Bedeutungsschicht hinzu. Die Küste Catania–Riposto war in der Antike eine belebte Route. Das Gelände des alten Naxos, der ersten griechischen Kolonie Siziliens aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., liegt teilweise unter Wasser nahe dem modernen Hafen, und römische Amphoren sind über mehrere Sandstellen verteilt. Archäologische Tauchgänge erfordern einen Führer mit Genehmigung des Soprintendente del Mare; Naxos Bay (18 m, griechische und römische Amphoren) und Acireale Roman (versunkene Villenstruktur) sind mit dieser Genehmigung für Sporttaucher zugänglich.

Die Logistik ist unkompliziert. Ryanair und Wizz Air fliegen Catania von den meisten europäischen Hauptstädten direkt an, außerhalb des Hochsommers günstig. Ein Mietwagen lohnt sich: Acireale ist 15 Minuten entfernt, Riposto 30. Unterkunft gibt es von Pensionen ab 40 € bis Hotels für 60–150 €. Die wichtigsten Tauchbasis vor Ort sind Marevivo Diving, Catania Sub und Acireale Diving. Ein geführter Tauchgang kostet 40–55 €, ein Fünfer-Paket rund 200 €.

Die unerwartete Zugabe ist der Ätna selbst. Catania eignet sich als natürliche Basis, um Tauchen mit einem Vulkanausflug zu verbinden — Seilbahn und 4x4-Transfer auf 2.800 m kosten 60–100 €. Kulturelle Abstecheungen lohnen ebenfalls: Catanias Barockviertel (UNESCO), das griechische Theater in Taormina mit Ätna-Kulisse und Siracusa 45 Minuten südlich. Für Nicht-Taucher im Gepäck hält das Ziel genug bereit.

Die Schwächen sind real. Die Sicht ist unberechenbar: Catania liegt nahe der Mündung des Flusses Simeto und eines aktiven Handelshafens, sodass nach Regen oder starkem Wind die Sicht auf 10–15 m fallen kann. Die Tauchdaison läuft von April bis November; die meisten Tauchbasen arbeiten im Winter auf halber Kraft. Das Meeresleben ist ordentlich, aber nicht der Hauptgrund für die Reise — es reicht nicht an die Äolischen Inseln oder Capo Carbonara heran. Der Reiz ist geologisch-archäologisch, nicht biologisch.

Catania ist eine überzeugende Alternative zu den Äolischen Inseln für Taucher, deren Interesse eher Geologie und antike Geschichte als große Pelagialfauna gilt. Das Unterwasser-Lavalandschaft ist im kontinentalen Mittelmeer einmalig. Kombiniert mit Ätna-Ausflügen und sizilianischer Kultur ergibt sich daraus mühelos eine vollständige Reise von 5–7 Tagen zu moderaten Preisen — mit Direktflug aus fast ganz Europa.