Riesenkalmar (Architeuthis): Fakten und Legenden
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Vida Marina

Riesenkalmar (Architeuthis): Fakten und Legenden

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26. August 2026 3 Min. Lesezeit

Der Riesenkalmar (*Architeuthis dux*) gehört zu den mythischsten Tieren des Ozeans. Jahrhundertelang beschrieben ihn Seeleute als den Kraken. Die Wissenschaft bestätigte seine Existenz im 19. Jahrhundert. Ausgewachsene Tiere erreichen 13 m Länge und 275 kg. Taucher begegnen ihm jedoch nie in freier Wildbahn: Er lebt in 500–1.000 m Tiefe — jenseits aller Tauchtiefen.

*Architeuthis dux* ist die einzige wirklich riesenhafte Kalmarart — zu unterscheiden vom Kolossalkalmar *Mesonychoteuthis hamiltoni*. Typische Erwachsene messen 8–10 m einschließlich der Tentakel und wiegen 100–200 kg. Die größten dokumentierten Weibchen erreichen 13 m und 275 kg. Er hält den Rekord für die größten Augen im Tierreich: bis zu 27 cm Durchmesser — etwa so groß wie ein Fußball.

Die Geschichte seiner Entdeckung zieht sich durch Jahrhunderte abgetaner Seemannsberichte: der nordische Kraken, tintenspritzende Meeresungeheuer. 1857 beschrieb der dänische Zoologe Japetus Steenstrup die Art formal anhand von Strandungsfunden. Weitere 150 Jahre lang waren alle bekannten Exemplare tot: aus Pottwal-Mägen geborgen, an Strände gespült oder unbeabsichtigt in Schleppnetzen gefangen.

Die erste Filmaufnahme eines lebenden Tieres gelang 2004, als die japanischen Biologen Tsunemi Kubodera und Kyoichi Mori eine automatisierte Kamera mit Köder in 900 m Tiefe nahe Japan aussetzten und einen *Architeuthis* beim Angriff auf das Gerät filmten. Es war ein Meilenstein: Bis dahin kannte die Wissenschaft nur tote Riesenkalmaren. Weitere Sichtungen folgten seither, allesamt mit Tieftauchbooten oder ROVs.

Der Riesenkalmar bewohnt tiefes Wasser in allen Ozeanen, typischerweise zwischen 300 und 1.000 m. Dokumentierte Schwerpunkte sind die Gewässer Japans und des Japanischen Meers, die Küsten Neuseelands, die Atlantikküste Spaniens und Portugals, die Karibik und der Golf von Mexiko. Er ernährt sich hauptsächlich von Fischen und kleineren Kalmaren. Sein wichtigster Fressfeind ist der Pottwal (*Physeter macrocephalus*), der für die Jagd auf 1.000 m und tiefer taucht.

Pottwale tragen die Beweise dieser Kämpfe auf der Haut: kreisrunde Narben von 10–20 cm Durchmesser, hinterlassen von den gezähnten Saugnäpfen des *Architeuthis* während des Kampfes. Diese indirekte Evidenz gehört zu den deutlichsten Hinweisen auf echte Auseinandersetzungen in abyssaler Dunkelheit — Kämpfe, die direkt kaum je beobachtet wurden.

Für Taucher ist eine Begegnung praktisch ausgeschlossen. Freizeittauchen endet bei 40 m, fortgeschrittenes technisches Tauchen bei etwa 150 m. Riesenkalmaren leben weit unterhalb dieser Grenzen. Die einzigen Menschen, die lebende Exemplare in ihrem natürlichen Lebensraum gesehen haben, sind Wissenschaftler an Bord von Tiefsee-U-Booten oder Teams, die ROVs bedienen. Für die Tauchergemeinschaft bleibt *Architeuthis* auf ewig unerreichbar.

Was erreichbar ist: große, aber keine riesengroßen Kalmaren. Der Humboldt-Kalmar (*Dosidicus gigas*) lebt im östlichen Pazifik — Sea of Cortez, Chile — und wird bis zu 1,5 m lang. Erfahrene Taucher können ihm bei Nachttauchgängen begegnen, obwohl er aggressiv ist und Taucher angegriffen hat. Der Bigfin-Riffkalmar (*Sepioteuthis lessoniana*) des Indo-Pazifik ist ruhiger und bei tropischen Nachttauchgängen regelmäßig zu sehen.

Der Riesenkalmar gehört zu den wenigen Meerestieren, die für Taucher wirklich mythisch bleiben — nicht weil seine Existenz bezweifelt wird, sondern weil kein Taucher ihn je in seinem Lebensraum sehen wird. Das Wissen, dass er 800 m unter einem schwimmt, während man seinen Tauchgang macht, ist ein faszinierender Gedanke. Echte Begegnungen mit großen Cephalopoden gelingen mit Humboldt-Kalmaren im Sea of Cortez oder mit Riffkalmaren beim Nachttauchen. Die Legende ist biologische Tatsache; die Sichtung bleibt unmöglich.