Andamanen, Indien: unberührte Riffe im Golf von Bengalen
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Andamanen, Indien: unberührte Riffe im Golf von Bengalen

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20. Juli 2026 3 Min. Lesezeit

Die Andamanen sind ein indisches Archipel im Golf von Bengalen, geografisch näher an Burma und Thailand als am indischen Festland. Jahrzehntelange Zugangsbeschränkungen haben die Riffe in nahezu ursprünglichem Zustand erhalten. Der Sentinelesen-Stamm machte 2018 weltweite Schlagzeilen. Das Ziel ist weit entfernt und teuer, bietet jedoch eine Korallenbiodiversität, die zu den besten im Indischen Ozean zählt.

Die Andamanen und Nikobaren bilden ein Archipel aus 572 Inseln im Golf von Bengalen, etwa 1.300 km vom indischen Festland entfernt und deutlich näher an Burma und Thailand. Als Unionsterritorium Indiens von Port Blair aus verwaltet, leben hier rund 380.000 Menschen auf 8.249 km². Ausländer benötigen ein Restricted Area Permit (RAP), das am Flughafen kostenlos für 30 Tage ausgestellt wird und den Zugang zu zugelassenen Inseln ermöglicht: Havelock, Neil, Long Island, Diglipur. Die Nikobaren bleiben für Touristen gesperrt.

Unterwassergeografie: Die Andamanen liegen auf einer aktiven tektonischen Platte — das Erdbeben und der Tsunami von 2004 trafen die Region direkt. Die nördlichen Inseln sind vulkanisch (Barren Island, Indiens einziger aktiver Vulkan); die mittleren und südlichen sind korallen- und tropengeformt. Das Wasser ist außergewöhnlich klar: Sichtweite 25–40 m, Temperatur 26–30 °C je nach Monat. Saisonale Auftriebszonen bringen pelagisches Leben. Biodiversität: über 250 Korallenarten, 1.200 Fischarten, regelmäßige Sichtungen von Haien, Mantas und Meeresschildkröten.

Top-Tauchplätze bei Havelock: 1) Dixon's Pinnacle (isolierter Unterwasserberg, 25–35 m, Riffmantas und Grauhaie). 2) Johnny's Gorge (Unterwasserschlucht mit Schulen von Stachelmakrelen und Thunfischen, 18–30 m). 3) Jackson's Bar (unberührtes Korallenplateau, 12–25 m). 4) The Wall (Steilwand bis 35–45 m). 5) Lighthouse (flacher Platz mit Schildkröten und Muränen, 8–15 m). 6) Aquarium (anfängerfreundliches Flachwasserriff, 5–12 m). 7) Tribetrack (mächtige Tischkorallen, 15–22 m).

Neil Island und weitere Plätze: 1) Bus Stop (flacher Korallengarten, 8–15 m). 2) Margherita's Mischief (Schlucht mit Stachelmakrelen-Schwärmen, 18–28 m). 3) K Rock (Weichkorallenwände, 18–30 m). Long Island: 4) North Reef (Korallen und Riffmantas). Abgelegene Plätze erfordern ein Liveaboard: Barren Island (aktiver Vulkan, pelagische Fauna), Invisible Bank (ozeanische Mantas und Haie), Narcondam (Endemiten). Liveaboards starten ab Port Blair, typischerweise 7–10 Nächte.

Anreise und Kosten: Flüge nach Port Blair (IXZ) ab Chennai, Kalkutta, Bangalore, Delhi, Hyderabad — keine direkten internationalen Verbindungen. Ein indisches Visum ist vorab erforderlich. Tauchbetriebe: Barefoot Scuba Havelock, Doongi Dives, Ocean Tribe, Lacadives. Einzeltauchgang: 35–50 €. Liveaboard 7 Nächte: 2.500–3.500 €. PADI Open Water Kurs: 350–450 €. Unterkunft auf Havelock: Pensionen ab 30 €, Hotels 80–200 €, Luxusresorts 200–500 €.

Was überrascht: die indigenen Völker. Die Inseln beherbergen einzigartige Urvölker — die Sentinelesen (Insel North Sentinel, null Kontakt, feindlich; töteten 2018 einen amerikanischen Missionar), die Jarawas (begrenzter Kontakt), die Onge (im Reservat), die Shompen und Nikobarer (Nikobaren). Das Betreten dieser Gebiete ist verboten und wird mit Geldstrafen geahndet. Der anthropologische Kontext verleiht dem Ziel ungewöhnliche Tiefe: unberührte Riffe, die mit paläolithischen Gesellschaften koexistieren.

Was enttäuscht: die operativen Realitäten. Die Tauchaison ist schmal (Oktober–Mai; außerhalb drohen Monsunstürme). Internet auf Havelock ist unzuverlässig. Manche abgelegenen Plätze werden wegen Seegang abgesagt. Das indische Visumsverfahren ist bürokratisch. Die Preise stiegen nach COVID-19, mit verzögerter Wiedereröffnung für Touristen. Begegnungen mit großen Pelagiern sind weniger verlässlich als auf den Malediven oder in Indonesien. Für garantierte Pelagier-Begegnungen sind die südlichen Malediven-Atolle die bessere Wahl.

Fazit: Die Andamanen sind ein Indischer-Ozean-Ziel für erfahrene Taucher mit Zeit und Budget. Unberührtes Wasser, außergewöhnliche Korallen und Fische, hohe Sichtweite, regelmäßige Pelagier. Kombinierbar mit Kulturtourismus auf dem indischen Subkontinent für eine Reise von 21+ Tagen (Delhi, Agra, Jaipur, Chennai, Andamanen). Für exklusive Riffe, die durch administrative Abgeschiedenheit erhalten blieben, ist dieses Ziel in einer eigenen Kategorie. Empfohlen von November bis April. Liveaboards nach Barren Island und Narcondam sind das Premium-Angebot.