Die lykische Küste zwischen Kaş und Kekova birgt einige der bedeutendsten Archäologietauchplätze des Mittelmeers. Eine im 2. Jahrhundert n. Chr. durch ein Erdbeben versunkene Lykierstadt, byzantinische Wracks mit Amphoren-Ladungen und türkises Wasser mit 30 m Sichtweite. Ein Ziel für Taucher mit historischem Interesse, die Italien und Griechenland bereits kennen.
Kaş ist ein kleines türkisches Küstenstädtchen in der Provinz Antalya, direkt gegenüber der griechischen Insel Kastellorizo gelegen. Hier trennen Türkei und Griechenland gerade einmal 2 km offenes Wasser — einer der kürzesten Abstände zwischen beiden Ländern. Kekova ist eine unbewohnte Insel 25 km weiter östlich. Der Küstenstreifen dazwischen, mit Üçağız und Kaleköy, bildet eines der archäologisch dichtesten Meeresschutzgebiete im östlichen Mittelmeer, geformt von antiken Erdbeben, die ganze Siedlungen unter Wasser versenkten.
Die versunkene Stadt (Batık Şehir): Die alte lykische Stadt Simena, auch mit Aperlae identifiziert, versank nach einem Erdbeben im 2. Jahrhundert n. Chr. teilweise im Meer. Heute liegen Mauern, Säulen, Steinstufen und Mosaikfragmente in 1 bis 6 m Tiefe, von der Oberfläche aus deutlich sichtbar. Schnorcheln vom Boot aus gibt bei Kekova direkten Zugang zu den versunkenen Ruinen; Gerätetauchen über den archäologischen Relikten ist gesetzlich verboten. An nahe gelegenen Plätzen auf natürlichem Untergrund lässt sich jedoch zwischen verstreuten Amphoren und Trümmern tauchen.
Byzantinische Wracks: Drei dokumentierte Wracks aus byzantinischer Zeit (7. bis 11. Jahrhundert n. Chr.) liegen in den Gewässern vor Kaş und sind alle mit Ausrüstung zugänglich. Amphoren-Ladungen, steinerne Anker, Kielreste. Tiefen zwischen 18 und 35 m. Der Zugang ist reglementiert: Nur Tauchzentren mit offiziellem Permit dürfen diese Plätze anleiten. Die flacheren Wracks — Bayındır Limanı auf 22 m — sind für Open-Water-Taucher erreichbar; das byzantinische Wrack Üçağız Wreck auf 35 m erfordert Advanced-Zertifizierung.
Weitere Tauchplätze: Canyon ist eine Unterwasserschlucht mit großen Fischen; das Hidayet Wreck ist ein türkisches Handelsschiff, das 1955 auf 28 m sank; Tatlısu bietet ruhiges Tauchen mit guter Tierwelt; Big Reef punktet mit abwechslungsreichem Terrain und Weichkorallen. Tiefen 15 bis 35 m. Wassertemperatur: 17 °C im Februar bis 26 °C im August. Sichtweite üblicherweise 25 bis 40 m. Strömungen sind schwach, die Tauchplätze für alle Levels geeignet.
Anreise und Logistik: Flüge nach Antalya ab den meisten europäischen Hauptstädten, günstig außerhalb der türkischen Hochsaison. Transfer nach Kaş: etwa 3 Stunden mit Bus oder Mietwagen. Unterkunft: Pensionen ab 30 €, Hotels zwischen 60 und 150 €. Hauptanbieter sind Bougainville Diving und Turkey Dive Center sowie mehrere kleinere Anbieter. Ein geführter Tauchgang kostet 35 bis 50 € — unter den günstigsten im Mittelmeer. Ein Paket mit 6 Tauchgängen liegt bei rund 200 €. Landessprache ist Türkisch; in Tauchzentren ist Englisch universell, Deutsch ebenfalls verbreitet.
Was überrascht: die Verbindung aus Archäologie und ruhigem Tourismus. Kaş ist ein wirklich beschauliches Städtchen — nichts vergleichbar mit dem Massentourismus in Bodrum oder Antalya — mit osmanischen Häusern, einer kleinen historischen Moschee und einem lebendigen Wochenmarkt. Das Essen ist gut und erschwinglich. Für Paare oder Familien, bei denen nicht alle tauchen, sind taucherfreie Tage leicht gefüllt: lykische Felsengräber in Mira, das Amphitheater von Patara, türkisfarbene Strände und Bootsausflüge zu benachbarten griechischen Inseln.
Die Einschränkungen: Die Saison ist kurz. Tauchzentren öffnen von Mai bis Oktober; im Winter legt Nordwind alles lahm. Die Sprachbarriere ist außerhalb touristischer Zentren real — in kleinen Dörfern des Hinterlands kommt man ohne Türkisch kaum weiter. Taucher, die nur Englisch sprechen, sollten besser in Kaş bleiben und umliegende Ortschaften nicht ohne Begleitung erkunden.
Fazit: Kaş und Kekova bieten Mittelmeertauchen auf hohem Niveau für alle, die sich für Unterwasserarchäologie interessieren. Versunkene Ruinen, byzantinische Wracks, türkises Wasser und niedrige Preise ergeben ein kaum zu übertreffendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Woche im September oder Mai konkurriert direkt mit Kroatien oder Griechenland. Wer Pelagische sucht, fährt besser ans Rote Meer — für eine Kombination aus Tauchen, Archäologie und Kulturtourismus ist diese lykische Küste eine überzeugende Wahl.

