Madeira: Brauner Zackenbarsch bei den Desertas und warmes Wasser das ganze Jahr
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Madeira: Brauner Zackenbarsch bei den Desertas und warmes Wasser das ganze Jahr

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24. Juni 2026 3 Min. Lesezeit

Madeira taucht in Tauchdestinations-Listen kaum auf — und genau das macht die Insel interessant. Das Wasser hält sich das ganze Jahr zwischen 19 und 23 °C, die Sicht reicht 25–35 m, und das streng geschützte Meeresreservat der Desertas-Inseln beherbergt die größten Braunen Zackenbarsche im gesamten östlichen Atlantik.

Madeira ist eine portugiesische Vulkaninsel, 700 km südwestlich von Lissabon und 600 km nördlich der Kanaren. Mit einem geologischen Alter von nur 5 Millionen Jahren erhebt sie sich mit 500 m hohen Steilklippen aus dem Ozean, bietet abrupte Vulkanabfälle und ein subtropisches Mikroklima, das die Wassertemperatur ganzjährig mild hält. Im März liegen 18 °C an, im September 23 °C; die durchschnittliche Sichtweite beträgt 25 m, im Herbst sind Fenster von 40 m möglich.

Das Aushängeschild ist die Reserva Natural Integral das Ilhas Desertas — drei unbewohnte Inseln 40 km südöstlich von Funchal. Der Status eines Totalreservats bedeutet: Fischereiverbot, regulierter Zugang und begrenzte Tageserlaubnisse. Diese Schutzmaßnahmen haben den Beständen des Braunen Zackenbarsches (*Epinephelus marginatus*) ermöglicht, sich auf Dichten zu erholen, die im Rest des östlichen Atlantiks nicht mehr existieren. Adulte Tiere wiegen hier 30–50 kg und wurden seit Jahrzehnten nicht bejagt; sie nähern sich Tauchern ohne Scheu.

Die bekanntesten Tauchplätze: Banco do Pináculo, ein Seamount mit dichten Barrakuda-Schwärmen und Zackenbarschen; Doca do Cavacas mit Vulkanhöhlen und -bögen bei Funchal; Garajau, das nächstgelegene Meeresreservat zur Hauptstadt mit Schildkröten und Rochen; sowie Caniço de Baixo für Makrofauna an der Küste. Die Desertas erfordern eine eigene Bootsfahrt von 3 bis 4 Stunden hin und zurück, frühzeitige Buchung und einen Premiumpreis. Die übrigen Plätze sind in 20–40 Minuten von Funchal aus erreichbar.

Die Fauna vereint atlantische Arten mit afrikanischen Einflüssen: Brauner Zackenbarsch, gelegentliche juvenile Mondfische, Barrakudas, Bernsteinmakrelen, Mantarochen im August und Hammerhaie in den Tiefen jenseits des Freizeittauchbereichs. Grüne und unechte Karettschildkröten sind das ganze Jahr anzutreffen. Die Desertas beherbergen eine der letzten Fortpflanzungskolonien der Mönchsrobbe (*Monachus monachus*) im östlichen Atlantik — Begegnungen unter Wasser sind jedoch selten.

Die Logistik ist unkompliziert: Direktflüge nach Funchal aus den meisten europäischen Hauptstädten, erschwingliche Pauschalangebote. Unterkunft in Funchal: 60–150 € pro Doppelzimmer je nach Kategorie. Tauchbasen gibt es in Funchal und Caniço de Baixo. Ein geführter Tauchgang kostet 50–65 €, ein Sechser-Paket rund 270 €. Ein kompletter Tagesausflug zu den Desertas mit zwei Tauchgängen liegt bei 180–220 €.

Die angenehme Überraschung ist die Qualität des Küstentauchens. Nicht alles auf Madeira ist die Desertas. Plätze, die keine 15 Minuten von Funchal entfernt liegen — allen voran Garajau — bieten Vulkantopographie, zutrauliche Schildkröten, reichhaltige Fauna und Preise, die rund 40 % unter dem Desertas-Niveau liegen. Für eine fünf- oder sechstägige Reise ist die Aufteilung auf zwei Desertas-Tage und drei Küstentage die pragmatischste Variante.

Die Schwachstelle ist der Seegang. Madeira liegt dem offenen Atlantik ungeschützt gegenüber, und Dünung-bedingte Ausfälle gehören zum Alltag. Im Winter — Dezember bis März — kann es wochenlang keine einzige Ausfahrt geben. Der Sommer ist ruhiger, aber touristisch voll und teurer. Das optimale Zeitfenster: Oktober bis November, Wasser noch bei 22 °C, stabilere Bedingungen, Nebensaisonpreise.

Madeira bewegt sich im oberen Mittelsegment europäischer Atlantikdestinationen — genuinen Reiz hat die Insel für Taucher, die das übliche Repertoire kennen und etwas Anderes suchen. Sie lässt sich hervorragend mit Landtourismus verbinden: die caminhos das levadas, die Dörfer im Norden, Wein und Küche der Insel. Für fünf Herbsttage mit günstigem Wetterfenster bietet das Tauchen hier das Beste, was der europäische Atlantik zu bieten hat.