Mauritius: der Unterwasserkrater und warum der Süden lohnt
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Mauritius: der Unterwasserkrater und warum der Süden lohnt

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18. Oktober 2026 3 Min. Lesezeit

Die meisten Taucher streichen Mauritius als Flitterwochen-Insel ab. Das ist ein Fehler. Die Südküste bietet vulkanische Unterwasserkrater, gesunde Korallenwände und drei Wracks alliierter WWII-Flugzeuge in Freizeittiefen. Für Paare oder Familien, bei denen nur einer taucht, verbindet Mauritius echtes Tauchen mit Strandurlaub und solider Infrastruktur zu vernünftigen Preisen.

Mauritius liegt im Indischen Ozean, 900 km östlich von Madagaskar. Die Insel entstand durch Vulkanausbrüche vor 8 Millionen Jahren und ist geologisch jung — jünger als Madagaskar, älter als Réunion. Das sieht man unter Wasser: Statt einem lückenlosen Korallenriff besteht ein Großteil der Küste aus nacktem Basalt, durchzogen von Kratern, Tunneln und Bögen, die reine Koralleninseln nie hervorbringen.

Die Südküste rund um Le Morne und Bel Ombre bündelt das Beste an drei Tauchplätzen. La Cathédrale ist ein offener Vulkankrater in 30 m Tiefe: Basaltwände fallen senkrecht ab, und ein Lichtkegel fällt durch die offene Oberseite nach unten — der Driftdive darin fühlt sich an wie ein Abstieg in ein gotisches Kirchenschiff. El Aquarium ist ein flaches Basaltbecken mit kristallklarem Wasser und reichlich Riffischen. El Holiwell ist ein Seamount voller Höhlen und Bögen. Tiefen 12–35 m, Wasser 22–27 °C je nach Monat, Sichtweite 25–35 m.

Drei alliierte Flugzeuge sanken während des Zweiten Weltkriegs vor der Südküste, als Mauritius als britischer Militärstützpunkt diente. Zwei Fairey Swordfish — Torpedobomber-Doppeldecker — liegen in 35–40 m Tiefe; ein Catalina-Flugboot ruht bei 28 m. Keines dieser Wracks erscheint auf Touristenkarten; ein lokaler Guide ist zwingend erforderlich. Die Wracks sind gut erhalten und geben Unterwasserfotografien ein historisches Gewicht, das ein Korallenriff kaum erreicht.

Pelagische Begegnungen variieren mit den Jahreszeiten. Zwischen November und März ziehen Walhaie und Ozeanmantas auf ihrer Südsommer-Migration entlang der Küste. Von Juni bis September bringen kältere Wasserschichten gelegentlich Tigerhaie und Bronze Whaler in die Nähe. Das ganzjährige Riff — Muränen, Schildkröten, Steinfische, bunte Riffische — ist verlässlich, aber nicht außergewöhnlich. Die Fauna-Dichte liegt unter Aliwal Shoal, reicht aber solide.

Die Logistik ist günstig: Direktflüge ab Paris, London, Frankfurt und anderen europäischen Hauptstädten, in der Nebensaison günstig. Mietwagen kosten 20–30 € pro Tag auf guten Straßen. Unterkünfte reichen von All-inclusive-Resorts ab 200 € pro Nacht bis zu Ferienwohnungen ab 60 €. Geführte Tauchgänge kosten 50–70 €; ein Sechser-Paket liegt bei rund 280 €. Englisch und Französisch sind offizielle Amtssprachen, Kreolisch im Alltag üblich.

An Land hat die Insel mehr zu bieten als erwartet. Das Nebeneinander von kreolischer, indischer und französisch-kolonialer Kultur erzeugt eine Küche — Meeresfrüchte-Curry, lokales Biryani, Straßenessen rund um Port Louis —, die Taucher auf reinen Unterwasserreisen häufig verpassen. Wanderungen durch die Black River Gorges füllen tauchefreie Tage mühelos. Diese Kombination aus funktionierender Tourismusinfrastruktur und echtem Tauchen ist seltener als sie klingt.

Die Nordküste ist ein anderes Kapitel. Übertaucht, mit degradierten Riffen und resort-eigenen Tauchzentren mit eingeschränkter Reichweite, bleibt die Qualität dort dauerhaft mittelmaßig. All-inclusive-Pakete legen Gäste fast immer im Norden ab — genau deshalb ist der Süden in besserem Zustand. Die Zyklon-Saison läuft von Januar bis März, mit häufigen Unterbrechungen; Juni bis Oktober ist das zuverlässigste Fenster: trocken, ruhig, sturmfrei.

Für einen Taucher, der seinen Urlaub ausschließlich um die Tauchgänge herum plant, ist Mauritius nicht das ertragreichste Ziel im westlichen Indischen Ozean. Wer jedoch Strandurlaub mit echtem Tauchen verbindet oder nach den Malediven eine zweite Indische-Ozean-Reise sucht, findet an der Südküste beeindruckende vulkanische Geologie, drei zugängliche Kriegswracks und saisonale Pelagiker — zu Preisen, die weit unter den Seychellen liegen.