Saudi-Arabien öffnete 2019 den Tourismus und erschließt 1.800 km Küste am zentralen Roten Meer, die für den Freizeittauchsport praktisch unberührt ist. Die NEOM-Zone (Tabuk) und der Farasan-Archipel besitzen Riffe in makellosem Zustand — ohne den Touristendruck Ägyptens. Das ist die Rote-Meer-Destination der Zukunft: heute teuer, einmalig in der Artenvielfalt und ohne Massentourismus.
Saudi-Arabien verfügt über 1.800 km Küste am Roten Meer, von der jordanischen Grenze im Norden bis zum Jemen im Süden. Bis 2019 war das Land für den Tourismus praktisch geschlossen. Die Einführung elektronischer Touristenvisa (E-Visa, 80 € online) sowie die Megaprojekte NEOM, Red Sea Project und AMAALA haben begonnen, touristische Infrastruktur aufzubauen. Die Riffe sind in makellosem Zustand — ohne den industriellen Fischfang und den unkontrollierten Massentourismus, der die ägyptische Küste im Norden geprägt hat.
Unterwassergeografie: Das zentrale saudi-arabische Rote Meer hat Korallen in besserem Zustand als Ägypten, schlicht wegen des geringeren akkumulierten Menschendrucks. Die Wassertemperatur ist hoch (24–32 °C) — das Becken ist flacher und die Sonneneinstrahlung stärker. Die Sichtweite ist hervorragend (30–50 m) aufgrund der geringen Verschmutzung. Bemerkenswerte Arten: Grauriffhaie, Fuchshaie, ozeanische Mantas, Riffmantas, Dugongs, Grindwale auf der Wanderung, riesige Napoleonfische, deutlich größer als in Ägypten wegen des geringeren Fischereidrucks.
Operative Tauchgebiete: 1) NEOM (Norden, Jordangrenze) — künftiges Touristenmegaprojekt, erreichbar über Tabuk, noch sehr begrenzte Infrastruktur. 2) Yanbu (Nord-Mitte) — Industriehafen mit zugänglichen Riffen in der Nähe. 3) Dschidda und Al-Lith (Mitte) — aktuelle Basis für Freizeittauchen, mehrere operative Tauchzentren. 4) Farasan-Archipel (Süden, Jemengrenze) — über 100 Inseln mit unberührten Riffen, Nationalpark seit 1996, außergewöhnliche Artenvielfalt. 5) AMAALA (Zukunft) — Luxusentwicklung im Bau.
Zugängliche Highlight-Tauchplätze: 1) Abu Galawa (Al-Lith, Korallenwände, 18–30 m). 2) Seven Sisters (südlich von Dschidda, Korallentürme). 3) Marsa Sharm (südlich von Al-Lith, Manta-Putzstation). 4) Farasan Bank (ozeanische Mantas und Haie, Liveaboard erforderlich). 5) Dolphin Reef Yanbu (ansässige Große Tümmler). Das Liveaboard ist die optimale Option für abgelegene Plätze: saudi-arabische und ägyptische Boote von Hurghada aus befahren saudi-arabische Routen mit Sondergenehmigungen.
Logistik und Kosten: Direktflüge nach Dschidda (JED) ab Madrid, Frankfurt, Paris, London, Rom. E-Visa online 80 € (90 Tage, Mehrfacheinreise). Alkohol ist im gesamten Land verboten, auch in Hotels. Bedeckende Kleidung für Frauen in öffentlichen Bereichen. Etablierte Tauchzentren: Desert Sea Divers (Dschidda), Dream Divers (Al-Lith), Liveaboard Sundowner (Dschidda). Kosten pro Tauchgang: 50–80 €. Liveaboard 7 Nächte: 1.800–2.500 € (teurer als Ägypten).
Vergleich mit Ägypten: saudi-arabische Vorteile — gesündere Korallen, reichhaltigere Meeresfauna, unüberfüllte Tauchplätze, echtes Erkundungspotenzial. Nachteile — alles kostet bis zu 50 % mehr als Ägypten, begrenzte Infrastruktur, kulturelle Einschränkungen (Alkohol, Kleidungsvorschriften), weniger Tauchzentren und Guides, bislang sehr wenige Liveaboards. Für Taucher, die Ägypten bereits kennen und die nächste Grenze suchen, ist Saudi-Arabien die naheliegende Wahl: dasselbe Rote Meer wie vor dreißig Jahren.
Was enttäuscht: Der Betrieb ist noch mit Reibungspunkten behaftet. Genehmigungen für bestimmte Gebiete erfordern zwei bis vier Wochen Vorlauf. Die Entfernungen zwischen Tauchplätzen sind groß — Al-Lith liegt vier Autostunden von Dschidda entfernt. Das Hotelangebot außerhalb Dschiddas ist dünn. Arbeitssprachen sind Arabisch und einfaches Englisch; Guides, die Deutsch, Spanisch oder Französisch sprechen, sind nicht vorhanden. Für Taucher, denen Komfort wichtig ist, ist Ägypten einfacher. Wer Erkundung sucht, findet sie in Saudi-Arabien.
Fazit: Das Rote Meer Saudi-Arabiens ist die neue Tauchergrenze, seit 2019 mit E-Visa zugänglich. Unberührte Riffe und reichhaltige Fauna zu Premiumpreisen bei noch begrenztem Angebot. Als exklusive Explorationsdestination ideal. Als Mainstream-Familienziel besser Ägypten oder Jordanien. Das goldene Zeitfenster ist jetzt — 2026 bis 2030 — bevor die geplante Tourismusentwicklung (NEOM, AMAALA) die Küste verändert. Empfohlen für Taucher mit 50+ Tauchgängen, die mehr als das bekannte Rote Meer suchen.

