Scapa Flow, UK: die deutsche Flotte, versenkt 1919
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Scapa Flow, UK: die deutsche Flotte, versenkt 1919

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12. Juni 2026 3 Min. Lesezeit

Scapa Flow ist die geschützte Bucht auf den Orkneyinseln (Schottland), in der die kaiserliche deutsche Flotte am 21. Juni 1919 absichtlich versenkt wurde, um eine alliierte Erbeutung zu verhindern. 74 Schiffe liegen auf dem Grund; mehrere sind noch heute tauchbar. Es ist wohl das meistbesuchte historische Unterwasserfriedhof der Welt und für Wracktaucher ein Wallfahrtsort.

Der historische Kontext ist entscheidend. Im Jahr 1918 wurde die deutsche Flotte nach dem Waffenstillstand in Scapa Flow interniert, während die Alliierten über ihr Schicksal berieten. Konteradmiral Ludwig von Reuter, ohne zuverlässige Verbindung nach Berlín, entschied die Flotte zu versenken, bevor sie in britische Hände fiel. Am 21. Juni 1919 öffneten 74 Schiffe in einer koordinierten Aktion ihre Seehähne und sanken auf den Grund. Neun deutsche Matrosen starben — die letzten Gefallenen des Krieges. Die meisten Schiffe wurden in den 1920er- und 1930er-Jahren als Schrott geborgen. Was übrig blieb, wird heute getaucht.

Sieben Wracks stehen im Mittelpunkt: drei Schlachtschiffe — SMS König, SMS Kronprinz Wilhelm, SMS Markgraf — und vier Leichte Kreuzer — SMS Cöln, SMS Brummer, SMS Dresden II, SMS Karlsruhe. Tiefen zwischen 25 und 45 m. Alle liegen auf dem Kiel, da sie beim Sinken kenterten, sodass das Wracktauchen unter den Decks stattfindet, nicht darüber. Das Gefühl ist anfangs beengend: Über einem lasten 30.000 Tonnen deutschen Stahls, der seit über einem Jahrhundert im Wasser liegt.

Alle Tauchgänge erfordern mindestens fortgeschrittenes Können. Die Wracks befinden sich zwischen 25 und 45 m Tiefe, die Sicht beträgt typischerweise 5–10 m (bei optimalen Bedingungen gelegentlich 15 m), Gezeitenströmungen können kräftig sein, und die Wassertemperatur liegt je nach Monat zwischen 6 und 12 °C. Ein gut isolierter Trockenanzug ist Pflicht. Ein Wracktauchen-Kurs oder solide Vorerfahrung an tiefen Wracks ist sehr empfehlenswert. Penetrationen nur mit Wrack-Spezialkurs und lokalem Guide.

Die Anreise erfordert Planung. Flug nach Inverness oder Aberdeen, dann ein Anschlussflug oder eine Fähre nach Kirkwall, der Hauptstadt von Orkney. Tauchbasen befinden sich in Stromness und Houton und betreiben Tauchsafari-Schiffe mit 8–10 Tauchern für fünf bis sieben Tage. Das Liveaboard-Format passt perfekt zu Scapa Flow: Abfahrt um 9:00 Uhr, zwei Tauchgänge, Rückkehr um 17:00 Uhr, Übernachtung an Bord oder in einer Unterkunft in der Nähe.

Kosten: Eine sechstägige Tauchsafari mit 12 Tauchgängen, Verpflegung und Guide kostet 1.200–1.600 €. Scapa Flow ist ein Premium-Ziel, aber nicht auf dem Niveau von Truk Lagoon oder Bikini. Flüge nach Kirkwall sind teuer — Loganair hält nahezu ein Monopol —, von Aberdeen aus muss man mit 200–400 € rechnen. Mietwagen auf Orkney etwa 60 €/Tag. Gesamtkosten für eine Woche: rund 1.800–2.500 € pro Person aus Kontinentaleuropa.

Was Erstbesucher überrascht, ist die Stille. Wracktauchen an deutschen Schiffen bei 35 m in dunklem Wasser, die Taucherlampe in der Hand, kein Geräusch außer der eigenen Atmung und dem leisen Knarren des verrosteten Stahls, der sich in der Strömung bewegt. Maschinentelegrafen, Kompasse, Geschirr aus der Offiziersmesse in Kabinen, die seit einem Jahrhundert unberührt sind. Das ist ein historischer, kein biologischer Tauchgang. Die Fauna ist Nebensache; die Geschichte trägt die Handlung.

Was enttäuscht, ist das schottische Wetter. Regen, Wind, Seegang. Ausfälle wegen schlechter Bedingungen sind selbst im Juli und August — der besten Reisezeit — keine Seltenheit. Liveaboards suchen bei Sturm geschütztere Plätze auf, aber einen oder zwei tauchfreie Tage pro Woche sollte man einkalkulieren. Die Saison läuft von Mai bis September; außerhalb dieser Zeit schließen die meisten Tauchbasen.

Scapa Flow ist ein Wallfahrtsort für Wracktaucher, die sich ernsthaft für die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessieren. Es ist kein idealer Einstieg für das erste tiefe Wrack — dafür empfiehlt sich das Mittelmeer oder das Rote Meer —, aber wer einige Wracks hinter sich hat, findet in Scapa Flow den logischen nächsten Schritt. Die Kombination aus Tiefe, Kälte, historischer Dichte und Atmosphäre ist in Europa einmalig. Für leidenschaftliche Wracktaucher führt kein Weg daran vorbei.