Sipadan: Warum 120 Genehmigungen täglich nicht reichen
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Sipadan: Warum 120 Genehmigungen täglich nicht reichen

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8. Oktober 2026 3 Min. Lesezeit

Sipadan ist eine winzige Insel vor der Nordostküste des malaysischen Borneo, im Celebes-Meer. Cousteau nannte sie eine der fünf besten Tauchspots der Welt. Seit 2004 gibt es auf der Insel keine touristische Unterkunft mehr; täglich dürfen nur 120 Taucher einreisen. Diese Begrenzung hat die Tierwelt so erhalten, wie es kaum einem anderen Riff gelungen ist.

Sipadan umfasst lediglich 12 Hektar und liegt im südlichen Sabah, dem östlichsten Bundesstaat Malaysias, vor der Ostküste Borneos. Es ist Malaysias einzige ozeanische Insel, entstanden auf dem Gipfel eines erloschenen Unterwasservulkans. Das Riff fällt von 5 m auf 600 m Tiefe innerhalb weniger Meter vom Ufer entfernt ab. Diese Seamount-Geografie erklärt die Faunadichte: Der Unterwasserberg fängt Ozeanströmungen ab und verwandelt den Ort in eine biologische Raststation für Schildkröten, Haie, Thunfische und gewaltige Makrelenchwärme.

Die malaysische Regierung beendete 2004 unter Naturschutzdruck jegliche touristische Unterkunft auf der Insel. Bis dahin hatten fünf Resorts Korallen und Boden nachhaltig beschädigt. Heute übernachten Taucher auf den Nachbarinseln Mabul oder Kapalai und fahren täglich morgens per Boot nach Sipadan. Die Obergrenze liegt bei 120 Genehmigungen pro Tag, aufgeteilt auf alle Betreiber und monatlich kontingentiert. Einen Platz zu bekommen, erfordert frühe Planung.

Eine Genehmigung erhält man über einen zugelassenen Betreiber auf Mabul — Borneo Divers, Scuba Junkie, Sipadan-Mabul Resort und andere — mit sechs bis neun Monaten Vorlauf. Die Vergabe erfolgt in Buchungsreihenfolge. Ein typisches Paket mit drei bis fünf Nächten auf Mabul enthält je nach Verfügbarkeit ein bis drei Sipadan-Tage. Glückliche Gäste erhalten zwei aufeinanderfolgende Tage auf Sipadan; andere bekommen einen und füllen den Rest mit Mabul-Tauchgängen, die für sich genommen ebenfalls lohnenswert sind.

Die wichtigsten Tauchplätze: Barracuda Point mit klassischem Driftdive und Barrakuda-Tornado aus Tausenden synchron kreisender Fische; South Point für Driftdive mit Haien; Coral Garden mit schildkrötenreichem Korallengarten; Hanging Gardens, eine Wand mit Weichkorallen; Lobster Lair für Makro. Tiefen 12–30 m, Wasser 27–29 °C ganzjährig, Sichtweite gleichmäßig 30–40 m. Fünfzig bis hundert Grüne und Karettschildkröten pro Tauchgang sind keine Seltenheit.

Was Erstbesucher überrascht, ist weniger die Menge als das Verhalten: Die Tiere ignorieren einen schlicht. Schildkröten weiden Schwämme in Armreichweite ab, ohne aufzublicken. Weißspitzen- und Grauhaie ziehen in wenigen Metern Abstand vorbei, ohne den Kurs zu ändern. Der Barrakuda-Tornado an Barracuda Point kann über 5.000 Fische umfassen, die sich im Gleichklang drehen. So sah Tropentauchen in den 1970er Jahren aus, bevor der Massentourismus die Riffe erreichte.

Mabul ergänzt Sipadan als Muck-Diving-Basis auf natürliche Weise. Der Kontrast ist gewollt: Sipadan ist Wände und Pelagic-Action; Mabul ist Sandboden, Muck-Diving und Makro. Pygmäen-Seepferdchen, Anglerfische, Mimic-Oktopus, Blaugeringelter Oktopus — das komplette Repertoire asiatischer Makro-Motive in bester Ausprägung. Für ernsthafte Unterwasserfotografen gehört die Kombination Sipadan plus Mabul zu den besten Paarungen weltweit.

Anreise: Flug nach Kuala Lumpur von Europa mit einem Zwischenstopp (Doha, Dubai, Istanbul), dann Inlandsflug nach Tawau in Sabah, Landtransfer und kurze Bootsfahrt nach Mabul. Tür-zu-Tür: 24–30 Stunden. Pakete mit fünf bis sechs Nächten auf Mabul und acht bis zehn Tauchgängen All-inclusive kosten rund 1.200–2.000 €. Flüge aus Europa kommen mit 1.000–1.400 € hinzu. Gesamt pro Person: etwa 2.500–3.500 €.

Kaum ein Meeresschutzgebiet weltweit hat seinen Standard so gehalten wie Sipadan. Die Deckelung auf 120 Genehmigungen, die Abschaffung der Inselunterkünfte und konsequente Kontrollen haben ein Riff hervorgebracht, in dem das Räuber-Beute-Gleichgewicht noch funktioniert. Für eine Woche in Borneo mit Sipadan und Mabul übertrifft die Tauchqualität fast jedes Pazifik-Ziel. Für Unterwasserfotografen gehört es auf jede ernsthafte Liste.